15. Juni | ab 15 Uhr: Open-Air-Konzert

Das Open-Air-Konzert findet am Freitag, den 15. Juni ab 15 Uhr im Welfengarten hinter dem Hauptgebäude der Universität Hannover statt. Es spielen Bands aus verschiedenen Stilrichtungen. Einen politischen Hntergrund haben alle Bands, die wir für Euch nach Hannover geholt haben.
Wie immer haben wir versucht, eine musikalisch möglichst bunte Mischung zusammenzustellen, um für alle von Euch etwas dabei zu haben! Des Weiteren stellen sich verschiedene kritische und antirassistische Gruppen an ihren Ständen vor. Dazu gibt es verschiedene Leckereien (vegan, vegetarisch) und Getränke. Den Timetable für dieses Jahr werdet ihr ein paar Tage vor dem Festival hier in unserem Blog finden.
Dieses Jahr treten beim Festival folgende Bands und KünstlerInnen auf:

dow (Stoner Rock)
Tapete & Crying Wölf (Hip Hop)
Strom & Wasser + The Refugees (Skapunkpolkarock)
Dota & die Stadtpiraten (Stadtpiratenmusik)
Turbostaat (Deutschpunk)

Der Eintritt ist wie auch in den letzten Jahren frei.
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15. Juni | ab 23 Uhr: Aftershow-Party

Für die erste Aftershowparty des Festivals haben wir uns etwas ganz besonderes überlegt: Die Festivalsaison der elektronischen Tanzmusik geht dieses Jahr schon am 15. Juni in Hannover los! Getanzt und gefeiert wird zu Techno, House, Minimal und Deep-House auf 2 Floors im technoerprobten UJZ Korn.
Mit dabei sind auf dem oberen Dancefloor zwei Acts des Künstlerkollektivs 3000°, die unter anderem regelmäßig das Fusion-Festival unsicher machen: Das DJ-Team German Lachs und Andre Kronert (Meck-Pom) sowie Flexxi von Rotzige Beatz (Hamburg). Unten könnt ihr euch von den tiefen Klängen der rmplkmmr kru beschallen lassen.
Gefeiert wird außerdem für einen guten Zweck: Alle Einnahmen kommen der Antirepressionsarbeit zu Gute.

Eintritt: 4€ + Spende
Einlass ab 18 Jahren

Tonkostproben:
http://3000grad-records.de
http://www.myspace.com/rotzigebeatz
http://rmplkmmr.net

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16. Juni | 20 Uhr: Asyl-Monologe. Überlebenstheater

Die Asyl-Monologe erzählen von Ali aus Togo, von Freunden liebevoll „Präsident“ genannt, Felleke aus Äthiopien, der erst willensstark Abschiebeversuche verhindern muss, um dann einen Menschenrechtspreis überreicht zu bekommen, und Safiye, die nach Jahren der Haft in der Türkei und einer absurden Asylablehnung sich für das Lebensbejahenste überhaupt entscheidet: sie schenkt einem Sohn und einer Tochter das Leben.
„Viele Menschen wissen nicht, was los ist. Ich möchte zeigen, wie wir Flüchtlinge leben. Ich hoffe, dass das Publikum es verstehen wird.“, so Ali, einer der Protagonisten, der seit 2007 auf eine Entscheidung zu seinem Antrag auf Aufenthalt aus humanitären Gründen wartet und somit noch heute von Abschiebung bedroht ist.
Asyl-Monologe beruhen auf dem Konzept des dokumentar. Theaters: Wortgetreue Texte, die auf Interviews beruhen, verleihen den Stimmen sonst ungehörter Menschen Gehör. Professionelle SchauspielerInnen bieten die Monologe dar und sprechen damit das Publikum direkt an – sie berühren und aktivieren.
Die Asyl-Monologe sind die erste Produktion des Berliner Vereins Bühne für Menschenrechte. „Wir möchten bundesweit ein Netzwerk an SchauspielerInnen und MusikerInnen aufbauen, die in ihrer Stadt eine Lesung darbieten. Als Theatermacher hat man sonst Sorgen wie: Funktioniert der Spannungsbogen der Geschichte? Sind Sprache und Rhythmus im Fluss? Als ich mitten in den Vorbereitung zu den Asylmonologen erfuhr, dass Ali nicht länger auf seine Aufenthaltsentscheidung warten kann und er eine Entscheidung einklagt, auch wenn diese zur Ablehnung führen kann, wurde mir klar, dass es hier um mehr geht als ein Theaterstück, ich den Text eigentlich ständig umschreiben müsste. Ungewiss ist, wie oft Ali seine eigene Überlebens-Geschichte auf einer Bühne in Deutschland noch anschauen können wird. Aber wir haben gerade deshalb die Hoffnung, dass das Publikum durch Alis Geschichte zu seinen UnterstützerInnen wird.“ so Gründungsmitglied und Regisseur Michael Ruf.
Inspiration sind die Actors for Human Rights aus Großbritannien. 600 professionellen SchauspielerInnen haben seit 2006 Aufführungen vor mehreren zehntausend Personen dargeboten. Der Erfolg der ersten Produktion hat zur Entwicklung von mittlerweile neun Produktionen geführt.

von: AStA Uni Hannover & Bühne für Menschenrechte
Zeit: Samstag. 16. Juni, 20 Uhr
Ort: Kultur- und Kommunikationszentrum Pavillon, Lis­ter Meile 4, 30161 Han­no­ver

18. Juni | 18 Uhr: Refugees in Germany. From the Frying Pan into the Fire

The seminar focuses on the German government as an example of institutional racism. In addition, we will describe how it collaborates with a criminal wanted by the International Criminal Court (ICC) – Omar al-Bashir the President of Sudan (northeast Africa) . He is responsible for genocide, war crimes, crimes against humanity in the Darfur region in western Sudan. The German government shares this criminal’s approach of killing Sudanese innocents. Refugees from Sudan, mainly living in Lower Saxony, will tell you about things and secrets you do not know about your country (Germany) and how racism plays a very important systemic role in the abuse of victims of the Sudanese Civil War, the longest war in Africa.
What does Sudan mean? What is the history of political conflict in Sudan? What, exactly, the role of Germany in this conflict? What is the current situation in Sudan? How does the German government support the genocide against particular tribes in Sudan? What are the (legal and political) methods Germany uses to violate the human rights of refugees in Lower Saxony? What is the aim of the German government to commit these crimes? What did Sudanese victims do to resist this bilateral aggression (from Germany and Sudan governments)? How can you support these refugees?
Refugees and politicians from Sudan, who are a part of refugees‘ struggle network in Germany (The Caravan) will hold this seminar, as a presentation and open discussion.

von: The Caravan & German Sudanese Association for Development
Zeit: Mon­tag, 18. Juni, 18.​00 Uhr
Ort: Elchkeller, Schneiderberg 50, 30167 Hannover

18. Juni | 20 Uhr: Boats 4 People. Ein Projekt gegen das Sterben von MigrantInnen auf See

Auf der Suche nach einem besseren Leben oder um das nackte Leben zu retten, überqueren viele MigrantInnen das Mittelmeer. Als eine Folge des Konflikts in Libyen flohen bisher fast eine Million afrikanische, asiatische und arabische MigrantInnen in die Nachbarländer Tunesien, Ägypten, Tschad und Niger und wurden dort aufgenommen. Während gleichzeitig die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten mit Repression und verstärkter Abschottung antworten. Noch nie sind so viele boat people im Kanal von Sizilien gestorben wie 2011. Zwischen 1.500 und 2.000 Menschen ließen auf dem Weg nach Europa ihr Leben.
Inzwischen ist eine transnationale Organisierung auf beiden Seiten des Mittelmeeres in Gang gekommen, die der Abschottung entgegentreten will. Dazu gehört auch das Projekt Boats 4 People, das im Sommer 2011 gegründet wurde, um dem Sterben an den Seegrenzen ein Ende zu setzen und die Rechte von MigrantInnen auf dem Meer zu verteidigen. Boats 4 People tritt für Bewegungsfreiheit für alle ein und fordert ein Ende der gewaltsamen Seekontrollen, ein Ende der Kriminalisierung der Migration und derjenigen, die schiffbrüchige boat people aus Seenot retten. Boats 4 People fordert von den Regierungen in Afrika, keine Rückübernahmeabkommen zu unterzeichnen, die zu Menschenrechtverletzungen führen.
Boats 4 People wird im Juli dieses Jahres seine Aktivitäten mit einer Bootsüberfahrt von Italien nach Tunesien beginnen, um Verletzungen der Menschenrechte von MigrantInnen auf See zu dokumentieren, anzuprangern und zu verhindern.
Conni Gunsser vom Flüchtlingsrat Hamburg und Afrique-Europe-Interact ist aktiv bei Boats 4 People und nimmt an regelmäßigen Austauschtreffen von AktivistInnen aus Afrika und Europa teil. Sie wird über Hintergrund und Ziele des Projektes sowie die aktuelle Situation in Nordafrika und im Mittelmeer (u.a. an Hand von Kurzvideos und Fotos) berichten. Außerdem wird sie Möglichkeiten zur Unterstützung von Booats 4 Peolpe darstellen.

mit: Conni Gunsser (Flüchtlingsrat Hamburg und Afrique-Europe-Interact)
von: Flüchtlingsrat Niedersachsen
Zeit: Montag, 18. Juni, 20.00 Uhr
Ort: Kultur- und Kommunikationszentrum Pavillon, Lister Meile 4, 30161 Hannover

19. Juni | 18 Uhr: Alles Ok in der Deutschland AG?! Von Sozialchauvinismus und ihrer Kritik im Jahr 2012

Mit dem Ende der Systekonkurrenz Ende der 1980er Jahr wird auch in den reichen Industriestaaten der Ton rauer und die Verteilungskämpfe härter. Nicht erst seit der aktuellen Krise und der Rede von der „Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse“ bekommen Sozialchauvinist_innen wie Thilo Sarrazin und seine Freund_innen starken Auftrieb. Sie knüpfen an gesellschaftliche Debatten an, in der die vormalige Sicherheit der Arbeitsverhältnisse in den Zeiten des Fordismus flöten geht und sich die Konkurrenz Aller gegen Alle spürbar verstärkt. Dabei lässt sich zwar eine gesellschaftlich erschreckende Tendenz erkennen in der weniger die Kritik der kapitalistischen Verhältnisse im Vordergrund steht, als vielmehr die Projektion auf vermeintlich schwächere Gruppen – diese Tendenz ist aber nicht unumkehrbar. Mit Hilfe theoretischen Werkzeugs und der Bewertung der derzeitigen gesellschaftlichen Konfliktlage lässt sich dem etwas entgegensetzen.
Im Workshop wird versucht der Zusammenhang zwischen Sozialchauvinistischer Hetze und der subjektiven Verarbeitung der gesellschaftlichen Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten zu analysieren. Denn in welchem Verhältnis die Analyse und Kritik von Ideologien der Ungleichwertigkeit und dem Kapitalismus stehen ist für die Frage nach politischer (und akademischer) Praxis essentiell wichtig. Bei isolierten Analyseversuchen gehen notwendigerweise wichtige Aspekte verloren und führen zu einer begrenzten Beurteilung der gesellschaftlichen Realität. Im Anschluss wird versucht nach Praxisformen zu suchen mit deren gewonnenem theoretischen Werkzeug diesen Verhältnissen wirkungsvoll begegnet werden kann.

von: Antifaschistische Aktion Hannover [AAH]
Zeit: Dienstag, 19. Juni, 18.00 Uhr
Ort: Raum V111 (Verfügungsgebäude Uni Hannover), Schneiderberg 50, 30167 Hannover

19. Juni | 20 Uhr: Bargeld statt Gutscheine! Das diskriminierende Gutscheinsystem für Flüchtlinge

Flüchtlinge in Deutschland und speziell in Niedersachsen sind auf vielfältige Weise vom gesellschaftlich isoliert. Bewusst wird ihre gesellschaftliche Teilhabe durch Sondergesetze unterbunden. Zu diesen Sondergesetzen gehört auch das sog. Asylbewerberleistungsgesetz, dass für AsylbewerberInnen im Asylverfahren und „ausreisepflichtige“ Flüchtlinge um bis zu 45% gegenüber dem ALG II-Satz reduzierte Leistungen vorsieht, die zudem häufig größtenteils oder gar vollständig in Gutscheinen ausgezahlt werden. Diese Gutscheinpraxis führt im Alltag der Flüchtlinge zu einer ständigen Stigmatisierung und Diskriminierung und bringt sie in materielle Notlagen. Mit diesen Gutscheinen lassen sich nur bestimmte Produkte in ausgewählten Läden kaufen, Fahrkarten oder die/der im Asylverfahren notwendige Anwältin/Anwalt lassen sich damit nicht bezahlen. Die Absicht hinter dieser rassistischen Praxis ist klar: Die Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, sollen zur Ausreise genötigt werden.
Auf dieser Veranstaltung soll erläutert werden, wie dieses Gutscheinsystem funktioniert und welche Konsequenzen es im Alltag der Menschen hat. Es wird der Umtausch von Gutscheinen in Bargeld als konkrete solidarische Aktion, die den Flüchtlingen zumindest ein klein wenig Spielraum ermöglichen soll, vorgestellt. Unter dem Motto „Unterstützt die Flüchtlinge und tauscht Gutscheine!“ soll der solidarische Gutscheintausch weitere Verbreitung finden. Weitere Handlungsmöglichkeiten, mit dem Ziel das Gutscheinsystem zu unterlaufen oder gar Abzuschaffen, sollen diskutiert werden.

von: Kooperative Flüchtlingssolidarität (KFS)
Zeit: Dienstag, 19. Juni, 20.00 Uhr
Ort: Kargah e.V., Zur Bettfedernfabrik 1, 30451 Hannover

20. Juni | 18 Uhr: Frontex. Lebensretter oder Akteur im menschenrechtsfreien Raum?

Gerne unterteilt man in der deutschen bzw. europäischen Öffentlichkeit zwischen den Menschen, die förderlich für die Gesellschaft sind und jenen, die ihr zur Last fallen und somit unerwünscht sind. Zu Letzteren werden auch Flüchtlinge gezählt, die durch verschiedenste Maßnahmen abgeschreckt werden sollen. Dieses geschieht vor allem auf Grundlage des Grenzschutzes.
Um der illegalisierten Migration in die Europäische Union Einhalt zu gebieten und diese zu kontrollieren, wurde vor acht Jahren die Grenzschutzagentur Frontex ins Leben gerufen. Sie organisiert die Grenzbewachung an den Außengrenzen der europäischen Mitgliedsstaaten.
Innerhalb von zwei Jahren sind 5000 Menschen in Afrika von einer Überfahrt abgehalten und 3887 Migranten in 57 Booten nahe der afrikanischen Küste gestoppt und umgeleitet worden, so heißt es in dem Frontex-Jahresbericht von 20061. Die Organisation rüstet sich häufig mit ihren erzielten Erfolgen, jedoch erheben sich immer mehr kritische Stimmen von Seiten vieler Menschenrechtsorganisationen, Kirchen, der Politik und Sozialwissenschaftlern. Inwieweit dient Frontex wirklich nur der Sicherheit oder wurde durch diese Agentur ein neues Instrument zur verdeckten Durchführung einer kapitalistisch angelegten Abschottung von Arm und Reich konstruiert? Mit dem Ziel, auf die Missstände im Umgang mit Flüchtlingen aufmerksam zu machen, wird im Laufe des Vortrags die proklamierte und tatsächliche Arbeit von Frontex kritisch untersucht und eine Endthese mit Lösungsansatz aufgestellt. Im Anschluss ist eine Diskussion gewünscht.

von: linksjugend [’solid] Hannover
Zeit: Mittwoch, 20. Juni, 18 Uhr
Ort: Raum V111 (Verfügungsgebäude Uni Hannover), Schneiderberg 50, 30167 Hannover

20. Juni | 20 Uhr: Flüchtlingsselbstorganisation und staatliche Repression. Allein das Zusammenkommen wird kriminalisiert – die emanzipatorische Flüchtlingsbewegung in Thüringen

Mit dem Karawane-Festival „Vereint gegen koloniales Unrecht – in Erinnerung an die Toten der Festung Europa“ 2010 in Jena hat The VOICE Refugee Forum einen Impuls für die seitdem forcierte „Break Isolation“-Kampagne gegeben, die in den letzten zwei Jahren die Thüringer Provinz erschütterte. Infolge kontinuierlicher Besuche in den Dutzenden isoliert gelegenen Flüchtlingslagern und der daraus resultierenden Vernetzung vom Flüchtlingsnetzwerk mit solidarischen Gruppen wurden Dokumentationsmaterialien, Infoveranstaltungen, Kundgebungen, Demos und alltäglicher Ungehorsam organisiert. Die Resultate waren vielfältig; es gab Erfolge wie Lagerschließungen oder verhinderte Abschiebungen. Genauso wuchs aber auch das Ausmaß an repressiven Maßnahmen von Behörden und Lagerverwaltung, die immer versuchen, an aktiven Flüchtlingen Exempel zu statuieren, die allen anderen Angst vor politischem Aktivismus machen sollen.
Hier sollen zwei Aspekte genauer betrachtet werden: Zum einen die Notwendigkeit selbstorganisierter Flüchtlingsgruppen, die sich explizit von karitativen Organisationen, Parteipolitik oder Flüchtlingsräten abheben. Wie anhand von vielfältigen Beispielen gezeigt werden kann, ist für die alltägliche Entrechtung nicht bloß ein rassistisches Gesetzeswerk und seine Ausführer_innen in der Verwaltung verantwortlich; vielmehr brechen Behörden und Innenministerium notorisch ihre eigenen Gesetze, sobald es politisch opportun ist oder einfach niemand hinsieht. Aus dieser Erkenntnis heraus arbeitet The VOICE seit Langem als Graswurzelbewegung, die möglichst breite, dezentrale Netzwerke von Flüchtlingen im alltäglichen Widerstand unterstützt.
Zum anderen sollen die umfangreichen Schikane- und Unterdrückungsmöglichkeiten von Ausländerbehörden und Sozialamt beleuchtet werden, die von subtil bis offen gewaltsam alle Register zur Verfügung stellen. Abschließend sollen Erfahrungen verschiedener Aktionsformen und Möglichkeiten solidarischer Unterstützung diskutiert werden.

mit: The VOICE Refugee Forum Jena
von: Antifaschistische Aktion Hannover [AAH]
Zeit: Mittwoch, 20. Juni, 20 Uhr
Ort: UJZ Korn, Kornstr. 28-32, 30167 Hannover

21. Juni | 18 Uhr: Rassismus und Kämpfe in der Migration

Rassismus als Herrschaftsverhältnis bestimmt maßgeblich die Gesellschaft mit, in der wir leben. Bei genauer Betrachtung der letzten 50 Jahre wird deutlich, dass dieser Zustand stetig durch widerständige Praktiken und Kämpfe in Frage gestellt wird. Aber wer kämpft da und wie? Und welche Veränderungen haben sich daraus in der Gesellschaft ergeben?
Manuela Bojadžijev wird angelehnt an ihr Buch „Die windige Internationale“ einen Einblick in wenig erinnerte widerständige Praktiken geben. Migrant_innen haben unabhängig von Parteien und Gewerkschaften Kämpfe wie Arbeits- und Mietstreiks geführt, Legalisierungskampagnen und Kindergeldaktionen bestritten und selbstorganisierte Zentren aufgebaut. Diese Aktionen wurden von den Beteiligten vor allem als soziale Kämpfe gesehen und oftmals nicht explizit als „antirassistisch“ benannt. Trotzdem haben sie erheblich dazu beigetragen, dass rassistische Verhältnisse nicht gleich bleiben konnten und können, was sich nicht nur auf das Leben von Migrant_innen ausgewirkt hat, sondern alle betrifft.
Betrachtet man die rassistischen Verhältnisse aus einer Perspektive des Widerstands, wird deutlich, dass Migrant_innen politisch handelnde Subjekten im Kampf gegen diese Verhältnisse sind und nicht passive Objekte in rassistischen Umständen.
Wie sich daraus Perspektiven für Interventionen in den heutigen rassistischen Normalzustand ergeben, kann Thema der an den Vortrag anschließenden Diskussion sein.
Dr. Manuela Bojadžijev ist kritische Migrations- und Rassismusforscherin an der HU Berlin. Sie war Gründungsmitglied von Kanak Attak und arbeitet mit dem Sound-Art-Kollektiv Ultra-Red zusammen. Zur Veranstaltung laden das Antirassistische Plenum Hannover, die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen und das Kulturzentrum Pavillon ein.

mit: Manuela Bojadžijev
von: Antirassistisches Plenum Hannover, Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen & Pavillon Hannover
Zeit: Donnerstag, 21. Juni, 18.00 Uhr
Ort: Kultur- und Kommunikationszentrum Pavillon, Lis­ter Meile 4, 30161 Han­no­ver

21. Juni | 20 Uhr: Über Sarrazin hinaus. Rassismus in der Leistungsgesellschaft

Die Sarrazindebatte führte zu einer breiten gesellschaftlichen Verschiebung nach rechts, zu enttabuisiertem rassistischen Denken und verband in besonderer Weise Rassismus im Elite- und Nützlichkeitsdenken. Auch knapp zwei Jahre nach der Erscheinung von „Deutschland schafft sich ab“ zeigt sich, dass die in der Debatte wesentlichen Konfliktlinien noch immer Bestand haben: Während die eng an Sarrazin Hängenden auf Biologisierungen und Naturalisierungen zurückgreifen, argumentiert eine Reihe von erklärten Sarrazingegner_innen mit dem Leistungspostulat.
Sebastian Friedrich und Selma Haupt werden zunächst ausgehend von der Sarrazindebatte einen Überblick über den aktuellen Leistungsdiskus geben und am Beispiel der Rede über „Integration“ dessen gesellschaftliche Verankerung und Konsequenzen aufzeigen. Es wird deutlich, dass im öffentlichen Umgang mit den als Migrant_innen markierten Leistung und Ethnisierungen mit einer Dethematisierungen von Strukturen des Rassismus und der Klassenverhältnisse einhergehen.
Sebastian Friedrich (Berlin) ist Redakteur bei kritisch-lesen.de, Mitglied der Diskurswerkstatt und des AK Rechts des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS), aktiv bei der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt Berlin (KOP) und Herausgeber und Autor des 2011 erschienenen Sammelbandes „Rassismus in der Leistungsgesellschaft“ (edition assemblage, Münster).
Selma Haupt (Köln) ist Diplompädagogin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bergischen Universität Wuppertal im Fachbereich Bildungs- und Sozialwissenschaften und promoviert zum Thema „Der Nexus von Bildung und Nation. Diskursanalyse historischer und gegenwärtiger Verschränkungen“.

mit: Sebastian Friedrich & Selma Haupt
von: AStA der Uni Hannover
Zeit: Donnerstag, 21. Juni, 20.00 Uhr
Ort: Elchkeller, Schneiderberg 50, 30167 Hannover

22. Juni | 17 Uhr: Schwarz-Rot-Geil. Nationalismus oder Patriotismus während der WM 2006?

Im Sommer 2006 brach hierzulande eine scheinbar nie dagewesene Euphorie aus, die Hunderttausende erfasste. „Ihr Deutschen seid Schwarz-Rot-Geil“, wie es die Bild-Zeitung formulierte, war eine Deutung, die den ekstatischen Zustand umschrieb. Schnell wurden die Spiele der deutschen Nationalmannschaft zu Massenveranstaltungen, bei denen die deutschen Nationalfarben und „Flagge zeigen“ wieder modern waren. Das „Sommermärchen“, wie es im Nachhinein tituliert wurde, war geboren und implizierte eine gewaltlose, friedliche und vor allem stolze deutsche Nation, die nun ungeniert von ihrer Bevölkerung unterstützt wurde.
Trotz dieser medialen und realen Aufregung brach parallel eine Diskussion aus, die sich mit dem „neuen Nationalbewusstsein“ auseinandersetzte. Die Kritik richtete sich vor allem gegen eine Nationalisierung der Gesellschaft sowie den unreflektierten Umgang mit den Verbrechen des Deutschen Reiches während des Zweiten Weltkrieges. Entkräftet wurden die Einwände mit dem Wort ‚Patriotismus‘, das als abgrenzende Kategorie zu einem radikalen Nationalismus gewählt wurde. Die Euphorie von 2006 war deshalb kein Nationalismus, um nicht in das historische Fahrwasser der „dunklen 12 Jahre“ zu kommen, sondern stelle eine andere Qualität dar, auf sein Land stolz zu sein. In diesem Spannungsfeld, ob die Unterstützung einer Nationalmannschaft Patriotismus oder Nationalismus sei, bewegt sich die Debatte heute noch. Die Handball-WM 2007 und die Fußball-WM der Frauen 2011 waren Sportereignisse, die mit der Hoffnung verbunden waren, dass wieder eine nationale Welle durch das Land schwappen solle und die Begeisterung für eine Nationalmannschaft, wie es die Familienministerin Kristina Schröder 2010 sich wünschte, „auch über die WM hinaus“ wirke. Ein Sportereignis solle nach dieser Vorstellung einen gesellschaftlichen Prozess initiieren, der als Endpunkt einen unverkrampften Stolz auf sein Land produziere. Die Diskussion um den Umgang mit der eigenen Nation dreht sich deshalb überwiegend um die Definition der Begriffe Nationalismus und Patriotismus und deren inhaltliche Füllung. Ob es sich hierbei um das „unverkrampfte Verhältnis“ zur Nation Deutschland handelt oder doch eine innere Sehnsucht nach einem starken Nationalismus impliziert, will der Vortrag thematisieren.

mit: Mark Haarfeldt (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung)
von: 762-Antifa
Zeit: Freitag, 22. Juni, 17.00 Uhr
Ort: Raum V111 (Verfügungsgebäude Uni Hannover), Schneiderberg 50, 30167 Hannover

22. Juni | 20 Uhr: „Verteidigt eur’n Scheißstaat – wisst selber nicht warum“ – Staat, Staatsbürger und Nation als kollektive Ideologie

So polemisierte die Punkband Slime einst gegen Polizist_innen. Die meisten Staatsbürger_innen wissen aber sehr wohl „ihren“ Staat zu schätzen und gegen wen oder was er zu verteidigen ist: Schließlich springt er ein, wenn die Wirtschaft taumelt, oder zu viel „unnütze“ Migrant_innen in sein Hoheitsgebiet wollen. Zudem scheint er vielen als gerechter Verwalter einer Ordnung mit großer Geschichte. Von nationalen Gründungsmythen und weitverbreiteten rassistischen Vorstellungen vom eigenen Volk, über Fußball oder selbst Essensgewohnheiten ist nichts zu Schade, um als scheinbare völkische Gemeinsamkeit und Rückhalt zu dienen. Dem widerspricht die alltägliche Konkurrenz, beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt, aufs Krasseste. Werden die bestehenden Staatsbürger_innen doch entsprechend drangsaliert, wenn sie nicht genügend auf Zack für die Konkurrenz im Weltmarkt sind (Stichwort „Sozialbetrüger_innen“).
Denn der Staat ist als Garant kapitalistischer Herrschaft, so z.B. Markt- und Vertragsfreiheit, vom Kapitalverhältnis, also davon, dass alle seine Steuerzahler genug Gewinn erwirtschaften, abhängig und somit alles andere als neutral. Er führt dabei aber nicht den politischen Willen einer einzelnen politischen Macht oder Klasse aus.
Wir wollen versuchen zu beschreiben, wie die Herrschaft des kapitalistischen Staates und seiner ideologischen Vermittlungen von Nation und Volk funktioniert, und mit euch diskutieren, wie eine antinationale Kritik derselben aussehen kann.

von: Fast Forward Hannover
Zeit: Freitag, 22. Juni, 20.00 Uhr
Ort: Raum V111 (Verfügungsgebäude Uni Hannover), Schneiderberg 50, 30167 Hannover

23. Juni | 12:30 Uhr: Break Isolation! Demonstration für Flüchtlingsrechte

Liebe Flüchtlinge, Asylsuchende, FreundInnen und UnterstützerInnen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Du bist hiermit herzlich eingeladen, mit uns zu demonstrieren und uns zu unterstützen, unsere Isolation zu durchbrechen und für die Verbesserung der Rechte von Flüchtlingen und Asylsuchenden zu kämpfen. Wir, die Flüchtlinge und Asylsuchenden, sind gezwungen, unter schlechten und isolierten Bedingungen zu leben:
Das ganze Jahr warten wir ohne zu wissen, wann das Asylverfahren beendet sein wird und wir anfangen können, ohne Angst vor der Abschiebung in unsere Herkunftsländer zu leben. In jene Länder, aus denen wir vor Krieg, politischer Instabilität, Bedrohung unseres Lebens und anderen Angriffen auf unsere grundlegenden Menschenrechte geflüchtet sind.
Jeden Tag erleben wir Diskriminierungen in dem Verfahren, welches uns Asylrechte garantieren soll. Die diskriminierenden Behandlungen gehen auch weiter, wenn das Verfahren beendet ist. Das ist der Grund, warum wir jetzt fordern „Refugee’s rights right here, right now!“ („Flüchtlingsrechte hier und jetzt!”)
Die ganze Zeit leben wir in Angst: Vor der drohenden Abschiebung, unserer eigenen oder der von Angehörigen oder Freunden. Unser Leben ist voller Beschränkungen: Ohne Recht auf Bewegungsfreiheit, ohne Recht auf Bildung, ohne das Recht zu arbeiten oder unseren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, ohne das Recht, den Ort frei zu wählen, an dem wir leben möchten. Wir erhalten Gutscheine statt Bargeld. Damit können wir nicht überall einkaufen und nicht alles, was wir brauchen. Oftmals reichen die Gutscheine nicht bis zum Monatsende. Ihr einziger Sinn besteht darin, uns zu diskriminieren. Wir sind Opfer dieses Systems. Die Asylgesetze machen uns krank und depressiv, die Asylgesetze zerstören unser Menschsein.
Deshalb bitten wir euch, mit uns gemeinsam zu fordern: „Refugee’s rights right here, right now!“

    Bleiberecht für alle Flüchtlinge und Asylsuchenden statt Abschiebungen!
    Schließung aller Flüchtlingslager und isolierenden Unterkünfte!
    Bargeld anstelle des Gutscheinsystems!
    Schulbildung, Recht auf Arbeit und Ausbildungen für alle!
    Abschaffung aller diskriminierenden Gesetze und Einhaltung der Menschenrechte auch für Flüchtlinge!

Bitte verbreite den Aufruf zu dieser Demonstration bei deinen Freunden und Freundinnen und alle Interessierte und mögliche Unterstützer und Unterstützerinnen.

Startpunkt: Hauptbahnhof Hannover
Zeit: Samstag, 23. Juni, 12:30 Uhr