Das „festival contre le racisme“ beschränkt sich nicht auf den Spaßcharakter eines „Umsonst-und-Draußen-Festivals“. Vor allem soll das Festival durch verschiedene inhaltliche Veranstaltungen politisch bilden. Auch 2015 ist Rassismus, als DIE Ideologie der Ab- und Ausgrenzung, noch immer ein allgegenwärtiges Problem.

In Deutschland, wie auf der ganzen Welt. Denn entgegen der Annahme, rassistische Denkmuster ließen sich (ausschließlich) am rechten Rand der Gesellschaft verorten, ist Rassismus nach wie vor ein massives gesamtgesellschaftliches Problem.

Der Alltag, die tägliche Nachrichtenflut, Kommentare und Debatten im Internet und der politische Diskurs um Flucht und Migration rund um die EU lehren uns: Die faschistische Mörderbande des NSU waren nur die Spitze des Eisbergs.

Nach dem Open-Air-Auftakt am 12.6., startet daher auch in diesem Jahr wieder eine Veranstaltungsreihe, die sich kritisch mit Ereignissen, Theorien und Entwicklungen rund um das Thema Rassismus auseinandersetzt. Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen bei vielen spannenden Veranstaltungen und bedanken uns bei allen, die das mit uns möglich gemacht haben!

Open Air Konzert

Freitag, 12. Juni 2015, 15:00 Uhr, Welfengarten

Das Open-Air-Konzert findet am Freitag, den 12. Juni ab 15.00 Uhr im Welfengarten hinter dem Hauptgebäude der Universität Hannover statt. Neben der ANTILOPEN GANG und der Band aus dem hannoverschen Refugee-Camp am Weißekreuzplatz – S.P. Music – freuen wir uns, LADA, die Elende Bande und Ego vs. Emo begrüßen zu dürfen. Wie immer haben wir eine musikalisch möglichst bunte Mischung zusammengestellt, um für alle etwas dabei zu haben! Außerdem stellen sich wie gewohnt verschiedene kritische und antirassistische Gruppen an ihren eigenen Info-Ständen vor. Dazu gibt es vegane und vegetarische Leckereien, aber natürlich auch reichlich Getränke, damit Ihr bei den sommerlichen Temperaturen nicht verdurstet. Erstmals haben wir auch eine Kinderbetreuung auf dem Konzertgelände organisiert.

Aftershowparty

Freitag, 12. Juni 2015, 23:00 Uhr, Indiego Glocksee

Für alle, denen die Feierlaune zum Ende des Open-Airs noch nicht vergangen ist, wird es auch dieses Jahr wieder eine Aftershowparty geben. Ab 23 Uhr öffnet das Indiego Glocksee seine Pforten. Hier könnt Ihr den Abend bei kühlen Getränken auf dem Hof genießen oder in entspannter Atmosphäre die nacht tanzend verbringen. Das musikalische Rahmenprogramm aus deepem House und dubbigem Techno liefern dabei folgende Plattendreher_Innen aus Hamburg und Hannover:

Marcel Brandes (Feingefühl, Elektro Science, Hamburg / Hannover)

Milano (zGold, Hannover)

Mokt Blied (Rotzige Beats, Hamburg)

Mori & Noir (Gekonnt Daneben, Hannover)

Auf sexistisches, rassistisches, oder anderes Arschloch-Gehabe haben wir dabei kein Bock. Wenn ihr betroffen seid, oder euch etwas auffällt, wendet euch an die Mitarbeiter_Innen des Indiegos.


Zwangsräumungen und Diskriminierung

Samstag, 13. Juni 2015, 17:00 Uhr, Kneipe im Wohnprojekt Fröbelstraße 5 (Eingang über den Hof)

Jährlich werden in Berlin 10.000 Zwangsräumungen durchgeführt, von denen sich die meisten der öffentlichen Wahrnehmung entziehen. Die Stadtforscher_innen Andrej Holm und Laura Berner veröffentlichten vor kurzem die erste Studie, die sich mit dem Thema Zwangsräumungen in Berlin auseinandersetzt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das staatliche Hilfssystem gescheitert ist und verweist auf den Zusammenhang zwischen Armut, sozialer Verdrängung und ihrer gewalttätigen Ausdrücke wie Zwangsräumungen. Diejenigen, die aus der kapitalistischen Verwertbarkeit herausfallen, werden räumlich und sozial ausgegrenzt.

In der Veranstaltung im Rahmen des Festivals wollen wir zusammen mit Andrej Holm und den Ergebnissen der Studie der Frage auf den Grund gehen, wie rassistische und städtische Ausgrenzungsmechanismen ineinander verwoben sind und Möglichkeiten diskutieren, sich diesen zu widersetzen.

Referent: Andrej Holm, Stadtsoziologe HU Berlin
Organisiert von: Netzwerk Wohnraum für Alle


Recht auf Asyl ?

Dienstag, 16. Juni 2015, 19:00 Uhr, TBA (Schneiderberg 50)

Das Recht auf Asyl ist verbrieftes Menschenrecht und war bis Anfang der 90er Jahre auch im Grundgesetz der Bundesrepublik verankert. Im Euroraum existieren allerdings eine Reihe von Abkommen und Beschränkungen, die ein Grundrecht auf Asyl aushebeln. Eine legale Einreise und damit das Recht Asyl zu beantragen und auch zu erhalten scheinen, besonders in Deutschland, vielfach unmöglich. Sigmar Walbrecht vom Flüchtlingsrat Niedersachsen wird im Rahmen der Veranstaltung erläutern, wer überhaupt das Recht hat hier Asyl zu beantragen und wer davon ausgeschlossen ist. Dabei sollen nicht nur die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nachgezeichnet werden sondern vor allem auch anstehende Veränderungen im deutschen Asylrecht thematisiert werden.

Referent: Sigmar Walbrecht (Flüchtlingsrat Niedersachsen)
Organisiertrt von: Antira SB


Schwarz, jung, männlich, tot

Rassistische Polizeigewalt in den USA

Donnerstag, 18. Juni 2015, 19:00 Uhr, Kulturzentrum Pavillon

Seit Michael Brown in Ferguson von einem weißen Polizisten erschossen wurde häufen sich Nachrichten zu Morden an unbewaffneten Schwarzen Menschen durch weiße Polizist_innen. Dabei handelt es sich nicht um Ausnahmefälle, die verstärkte Aufmerksamkeit ist vielmehr unüberhörbarem Protest zuzuordnen.
Wie lässt sich die Gewalt aus Geschichte und Gegenwart der US-amerikanischen Gesellschaft heraus erklären? Welche Rolle spielen die historische Sklaverei, politische Strukturen und Klassenverhältnisse? Gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen Nord und Süd? Und wie wird die strukturelle Gewalt in den USA in Deutschland diskutiert?
Gegen die rassistische Polizeigewalt wird seit letztem Sommer Protest auch kollektiv geäußert, Menschen gehen zu Zehntausenden auf die Straße. Von wem wird dieser Protest maßgeblich getragen? Welche Forderungen werden aufgestellt und welche Formen nimmt der Protest an? Kann er die Grundlage bilden für wirkliche soziale Veränderungen?
Dies und mehr wollen wir mit dem Referent Norbert Finzsch (angefragt) diskutieren. Er ist Professor für Anglo-Amerikanische Geschichte an der Uni Köln.

Organisiert von: Kulturzentrum Pavillon und Rosa Luxemburg Stiftung Hannover


Analyse und Kritik der Identitären Bewegung Deutschlands

Freitag, 19. Juni .2015, 19:00 Uhr, Raum V111 (Schneiderberg 50)

Schwarzgelbe Aufkleber auf denen Slogans prangen, wie Heimat, Freiheit und Tradition. Nicht in alter, deutscher Frakturschrift sondern in modernem, dynamischem Design sind die Aufkleber gehalten. Weder rechts noch links will die Identitäre Bewegung sein. Auf Blogs und Videos wird sich in Argumentationen gemüht, um zu erklären, warum die Identitäre Bewegung nicht rassistisch, der Kampf gegen „den Islam“ und „Zuwanderung“ aber unabdingbar sei. Nicht zuletzt wird sich bei der eigenen Positionsbestimmung auf Ideen von Alain de Benoist, Ezra Pound und Julius Evola et al. bezogen; und auf den Ethnopluralismus verwiesen. Mittel und Ziele dieser „Originale“, dürften schon ein Hinweis sein, wo die Reise mit der „identitären Weltanschauung“ hingeht. Mit dieser Veranstaltung soll der Versuch gewagt werden, die Analyse der sogenannten „Identitären Bewegung“ auf einen Begriff zu bringen, nämlich Faschismus. Hierzu sollen zu Einem; Strukturen, Stichwortgeber_Innen und Ideen der Identitären beleuchtet werden; zum Anderen soll die Idee der Identitären von einem emanzipatorischen Standpunkt aus kritisiert werden. Denn: „Wir können es uns einfach nicht leisten Mythologie kritiklos hinzunehmen!“ (Dr. Henry Jones jr.)

Referent: Anton Rühle
Organisiert von: Antifaschistische Gruppe Hannover


Rassismuskritische Perspektive(n) auf Schule

Workshop

Samstag, 20. Juni 2015, 10-16:00 Uhr, R 615 (Conti Campus)

Rassismus macht vor der (den) Schule(-n in Deutschland) keinen Halt. Ob rassistische/koloniale Darstellungen von Menschen oder Ländern in der Kinder-, Jugend- und Schulliteratur, oder die Diskriminierung von Schüler*innen aufgrund ihres vermeintlich allochthonen Aussehens und ihrer nicht-christlichen Religion durch andere SuS oder Lehrkräfte, bleibt die Schule die maßgebende Sozialisationsinstanz Heranwachsender. Die Ursachen liegen nicht allein in der Schule selbst, sondern ihnen wird hier ein Hort geboten. Als Teil der Gesellschaft und in der Funktion, Gesellschaft zu konstruieren, produziert und reproduziert die Schule rassistische Strukturen.

Gemeinsam mit einer professionellen Coacherin/Mediatorin wollen wir über diese Strukturen sprechen. Dabei soll es vor allen Dingen um die eigene Perspektive (Erfahrung/ ggf. Betroffenheit) gehen. Die Veranstaltung ist nicht als Input-Vortrag oder Uni-Seminar konzipiert. Stattdessen wollen wir eine entspannte Atmosphäre und einen sicheren Rahmen schaffen, innerhalb dessen sich die Teilnehmenden aktiv einbringen können, um eigene Rassismen aufzudecken und gemeinsam konkrete Handlungsstrategien zu entwickeln. Deshalb richtet sich der Workshop vor allem an Lehramtsstudis; alle anderen sind aber auch herzlich willkommen.

Da die Anzahl der Teilnehmenden begrenzt ist, bitten wir euch, uns vorab per E-Mail (hannover@onlineinsel.org ) zu schreiben. Der genaue Ablauf wird zu Beginn bekanntgegeben. Eine Mittagspause (z.B. Contine) ist eingeplant.

Organisiert von: InSeL Hannover


Wenn wegschauen tötet.

Zum NSU-Komplex

Montag, 22.Juni,18:30 Uhr, Raum V108 (Schneiderberg 50)

Der Abschlussbericht des Thüringer Untersuchungsausschusses zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der „Verdacht gezielter Sabotage“ kann laut den Mitgliedern des Ausschusses nicht ausgeschlossen werden. Den „Sicherheitsbehörden“ wird bei der Fahndung nach dem untergetauchten NSU-Kerntrio „Versagen auf ganzer Linie“ bescheinigt. Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe lebten bis zu ihrer Flucht im Jenaer Untergrund. In Nazi-Strukturen wie dem „Thüringer Heimatschutz“ wurden sie politisch sozialisiert. Die Verwicklungen des Verfassungsschutzes und das den NSU unterstützende Nazi-Netzwerk werden thematisiert.
Katharina König ist seit 2009 Abgeordnete der Partei »Die Linke« im Thüringer Landtag. Sie saß im ersten Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss und wird auch dem kürzlich beschlossenen zweiten Untersuchungsausschuss angehören. Sie wird in einem Vortrag mit anschließendem Gespräch den bisherigen Stand der Aufklärung des NSU-Komplexes darstellen.

Organisiert von: LUH_Contra


Halim Dener ein Toter der deutschen Geschichte

vom PKK-Verbot bis Rojava

Dienstag, 23. Juni, 19:00 Uhr, Raum V110/111 (Schneiderberg 50)

1993: In Deutschland wird die PKK (Arbeiter_innenPartei Kurdistans) als terroristische Organisation deklariert. Damit wird das zeigen der Symboliken strafbar.
1994: In Hannover wird auf offener Straße der 16jährige Halim Dener von einem Polizisten erschossen, weil er Plakate der PKK klebte.
2014: Zum 20. Todestag gibt es immer noch kein öffentliches Gedenken an den, durch den deutschen Staat ermordeten Jugendlichen.
Im selben Jahr erreicht der Krieg in und um Kobanê und Shengal auch die deutschen Medien.
2015: Die deutsche Bundesregierung hält an ihrem Verbot der PKK fest. Dadurch wird auch die aktive Solidarität mit den Kämpfer_innen in Kobanê staatlich kriminalisiert.

Was haben diese gesellschaftlichen und politischen Ereignisse von Krieg, Flucht, staatlicher Repression und Polizeigewalt gemeinsam?
Mit Vortrag und gemeinsamer Diskussion möchten wir eine Antwort auf diese und weitere Fragen formulieren.

Organisiert von: YXK Hannover und iL Hannover


Verbrechen Flucht.

Zur Migrationsabwehrpolitik der Festung Europa I

Freitag 26. Juni 2015, 18:00 Uhr, TBA (Schneiderberg 50)

Kürzlich wurde in dem Medien über den Bau und die Renovierung von Gefängnissen in der Ukraine berichtet, in denen Flüchtende teilweise über Monate unter katastrophalen Bedingungen interniert werden. Das „Verbrechen“, welches ihnen zur Last gelegt wird, ist die versuchte Einreise nach Europa. Diese Baumaßnahmen sind zumindest teilweise aus EU-Mitteln finanziert. Auch in anderen Anrainerstaaten der EU stößt man immer wieder auf ähnliche Projekte. Die sogenannten Push-Back-Lager und –Aktionen sind eine weitverbreitete Strategie an den Außengrenzen der Festung Europa. Offensichtlich soll hier verhindert werden, dass Geflüchtete überhaupt einen Asylantrag stellen können. Marc Speer von bordermonitoring.eu wird über die Push-Back-Praxis berichten.

Referent: Marc Speer (bordermonitoring.eu)
Organisert von: Antira SB


Antirassistisches Table Quiz

Montag, 29. Juni 2015, 20:00 Uhr, Kneipe im Wohnprojekt Fröbelstraße 5 (Eingang über den Hof)

Wir laden Euch ein zu einem Abend voller Spiel, Spaß und Spannung.
Bei unserem Tablequiz dreht sich (fast) alles um die Themenfelder Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Grenzen, Rechte sowie die gemeinsame Gegenwehr und antirassistische Arbeit.
Fragen zu Absurditäten, Alltagsskurilitäten und -Banalitäten dürfen aber natürlich auch nicht fehlen.
In kleinen Gruppen (3-5 Personen) treten ihr gegeneinander an. Kommt gemeinsam oder findet eure Gruppe vor Ort. Alles ist möglich.
Löst gemeinsam in 4 Runden jeweils die 10 Fragen. Zu Gewinnen gibt‘s neben neuem Wissen und einem schönen Abend mit netten Leuten auch kleine Preise.

Die Kneipe hat ab 19 Uhr geöffnet

Organisiert von: Kampagne Ahoi


Refugee protest and refugee self organization in Germany

Donnerstag, 02. Juli 2015, 19:00 Uhr, Kulturzentrum Pavillon

Refugees are the group most affected by institutional racism in the Federal Republic of Germany. Many laws such as “Residenzpflicht”, the system of food vouchers, prohibition of work or placement in so called communal homes are meant to isolate refugees from society, making it very difficult for refugees to participate socially, economically and politically and even more easier for the German state to continue their system of discrimination, deprivation and deportation. The current attempt to make the asylum laws even more severe is showing that the repression against refugees will possibly not decrease in the future.
Selforganized refugee organizations like “The Voice” work on making this system of isolation and denial of basic human rights public. They fight for their rights in order to live a life of human dignity in Germany.

The aim of this lecture is to give an overview about the discrimination refugees have to face in Germany and to introduce the past and future work of self organized refugee struggle. Further we will discuss in what way non-refugees should also be concerned about the discrimination of refugees. We will address the questions in what way non-refugees can get involved in this struggle and what kind of solidarity is needed.

(input and discussion with activists from „The Voice Refugee Forum“ and Refugee Protest Camp Weißekreutzplatz Hannover)

The lecture will be held in English with German translation if needed.
Der Vortrag wird auf Englisch stattfinden. Bei Bedarf wird es eine Übersetzung geben.

Organisiert von: Antirassistischen Plenum Hannover und dem AStA Uni Hannover


Gewolltes Sterben?

Zur Migrationsabwehrpolitik der Festung Europa II

Freitag, 03. Juli 2015, 19:00 Uhr, TBA (Schneiderberg 50)

„Die europäische Flüchtlingsabwehr ist drastisch verschärft worden. Wer nach Europa fliehen will, soll mit dem Tod rechnen müssen.“ Dies wird besonders deutlich an der aktuellen Politik der EU, die auch nach den jüngsten Ereignissen vor allem darauf zielt, Flucht nach Europa möglichst effizient zu verhindern. Das massenhafte Sterben an den Außengrenzen der EU scheint also Methode zu haben:
„Während Italien die Seenotrettung notgedrungen allein betrieb, rief die EU eine »Task Force Mittelmeer« ins Leben. Die Gruppe erarbeitet Vorschläge zur Verhinderung unerwünschter Migration und gibt diese an die EU-Mitgliedsstaaten weiter. Außer den EU-Agenturen Frontex (Grenzpolizei) und Europol (Kriminalpolizei) macht auch der Auswärtige Dienst, der für die Außen und Militärpolitik der EU zuständig ist, bei der Task Force mit. Ziel ist die Erstellung eines Konzeptes für Grenzüberwachungsmaßnahmen »von Zypern bis Spanien«.“

Referent: Matthias Monroy
Organisiert von: Antira SB

Was folgt aus dem NSU-Prozess?

Perspektiven für eine kritische Intervention

Samstag, 6. Juli 2015, 19:00 Uhr, V111 (Schneiderberg 50)

Dreieinhalb Jahre sind vergangen, seit sich der “Nationalsozialistische Untergrund” (NSU) im November 2011 selbst enttarnte. Seit zwei Jahren läuft am Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier Unterstützer des NSU. 300 Zeug_innen und Sachverständige wurden bisher gehört. Doch ist schon jetzt ziemlich offensichtlich, dass dieser Prozess wenig Aufklärung gebracht hat. Der Staat und Gerichte scheiteren an einer Aufklärung des Neonazi-Terrors der letzten zwei Jahrzehnte. Und trotzdem gibt es aus antifaschistischen und antirassistischen Kreisen nur selten Versuche diese ausbleibende Aufarbeitung und Auseinandersetzung zu begleiten, zu skandalisieren und voranzutreiben.
Robert Andreasch wird aus seinen Erfahrungen als Prozessbeobachter des NSU-Prozesses erzählen. Er wird dabei auf die Frage eingehen, was sich aus dem gerichtlichen Versuch der Aufklärung des NSU ergibt. Dabei wird er vor allem um eine antifaschistische und antirassistische Perspektive auf zukünftige Interventionen gehen.

Referent: Robert Andreasch, Referent für die „antifaschistische informations-, dokumentations- und archivstelle münchen“ („a.i.d.a.“) und Beobachter beim NSU-Prozess für die NSU-Watch
Organisiert von: Fast Forward Hannover


Gegen Rechts argumentieren lernen

Dienstag, 07. Juli 2015, 19:00 Uhr, Raum V111 (Schneiderberg 50)

Häufig meinen Leute, Ausgrenzung und Diffamierung wären der richtige Weg, um mit Rechten umzugehen. Deren Standpunkte werden dabei als nicht beachtens- und weiter befassenswert abgetan. Dabei wird aber vom Inhalt ihrer Argumentationen abgesehen, also tatsächlich nichts dagegen gesagt.Rechtsradikale Taten und Parolen müssen jedoch als das ernst genommen
werden, was sie sind: Eine politische Gesinnung. Für eine richtige Kritik ist es deshalb wichtig, die Rechtsradikalen in ihren Argumenten ernst zu nehmen, um deren Fehler mit ihren schädlichen Konsequenzen aufzeigen zu können.

Organisiert von: Kritik im Handgemenge Hannover


„Dann fangen wir von vorne an“

Das Leben des Theodor Bergmann

Dienstag, 07. Juli 2015, 20:30 Uhr, Kino im Sprengel

„Ich bin Jude und Kommunist, zwei große Nachteile in meinem Leben!“ so begann Theodor Bergmann einen seiner zahlreichen Vorträge. 1916 als Sohn einer jüdischen Familie geboren, floh Bergmann unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Palästina. Er engagiert sich in dem Aufbau verschiedener Kibbuz und verschreibt sich der Gründung eines sozialistischen Staates. 1935 emigrierte Bergmann in die Tschechoslowakei, wo er sich dem antifaschistischem Widerstand anschloss, indem er Flugblätter anfertigte und diese über die Grenze nach Deutschland schmuggelte. Drei Jahre später floh er erneut, diesmal nach Schweden. Hier leitete er die Kommunistische Partei-Opposition. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück, war leitendes Mitglied der Gruppe Arbeiterpolitik und Herausgeber sowie Autor zahlreicher Zeitschriften, Bücher und Artikel.

Wir wollen die gemeinsam die Dokumentation über Theodor Bergmanns leben sehen („Dann fangen wir von vorne an – Fragen des kritischen Kommunismus“) und im Anschluss daran zusammen diskutieren.

Organisiert von: iL Hannover


Boote, die voll werden können, gehören abgeschafft! Luxusliner für alle!

Donnerstag, 09. Juli 2015. 19:00 Uhr, Raum V111 (Schneiderberg 50)

Das Kentern von Schiffen mit mehreren hunderten Schutzsuchenden im Mittelmeer im April 2015 markiert den momentanen Höhepunkt einer gescheiterten Asylpolitik der Europäischen Union. Schon lange protestieren verschiedenste Gruppierungen gegen diese Politik und ihre nationalen Auswüchse und kämpfen für eine Reformierung des bestehenden Asylrechts. Geändert hat sich an der deutschen bzw. europäischen Asylpolitik jedoch im Interesse der so gern von Politik und Medien zitierten humanitären Absicht nichts. Stattdessen ist der Großteil asylpolitischer Maßnahmen darauf ausgerichtet, dafür zu sorgen, dass möglichst wenige Asylsuchende es bis nach Europa schaffen (wollen) und dass diejenigen, die es geschafft haben die Grenzen zu überwinden, möglichst schnell wieder verschwinden. Aber warum gibt es dann überhaupt so etwas wie „Asyl“? Das primäre Ziel von Asyl – so unsere These – ist gar nicht die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen: Wer legitimer Flüchtling ist und wer nicht, bemisst sich nicht an der jeweiligen individuellen Notlage, sondern am nationalen Interesse der europäischen Staaten. In diesem kommen Refugees und ihre Forderungen nur unter bestimmten Umständen vor und dementsprechend werden sie behandelt.
Deswegen wollen wir auf unserer Veranstaltung besprechen, wie Asylpolitik durch nationale Interessen bestimmt ist und wie diese aussehen. Wir wollen klären, was ihre Grundlagen und Konsequenzen sind.

Organisiert von: Jimmy Boyle Berlin


Polizei und Rassismus – ein strukturelles Problem?

Mittwoch, 15. Juli 2015, 19:00 Uhr, Kulturzentrum Pavillon

Meldungen von rassistischen Handlungen durch Polizeibeamt*innen häufen sich. Der Verdacht liegt nahe, dass dies strukturell bedingt ist. Dr. Schiffer-Nasserie wird diesen Verdacht anhand von drei zentralen Fragestellungen prüfen:
1. Polizeibeamte kontrollieren und durchsuchen Menschen in Zügen, auf Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen anhand von Hautfarbe, Körperform und ethnischen Merkmalen. Warum?
2. Immer wieder kommt es zu rassistisch motivierten Misshandlungen von Migrant*innen durch Vertreter*innen der Ordnungsmacht – nicht nur in der Schweiz. Warum?
3. Und ab und zu brennen ganze Armutsquartiere in den Metropolen des freien Westens, nachdem bekannt wird, dass Polizist*innen auf der Jagd nach vermeintlichen Straftäter*innen unbewaffnete Jugendliche mit dunkler Hautfarbe und Kapuzenpulli getötet haben. Warum?
Prof. Dr. Schiffer-Nasserie ist Hochschullehrer an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum und unterrichtet Politikwissenschaft. Schwerpunkte: Migrations- und Sozialpolitik; Rassismusforschung.

Referent: Prof. Dr. Arian Schiffer-Nassserie
Organisiert von: Antira SB


Über Alltagsrassismus.

Donnerstag, 16. Juli 2015, 18:30 Uhr, Indiego Glocksee

Bereits bei seinem letzten Besuch in Hannover hat Marcus Staiger am Rande über seinen Aufenthalt in Kenia und dort über einen Abend innerhalb der deutschen Botschaft berichtet. Dabei wurde deutlich, dass rassistische Stereotype kein Randphänomen der Gesellschaft sind und sich auch oder eben gerade in den gehobenen, privilegierten Schichten wiederfinden. Im Rahmen der Veranstaltung soll das Phänomen Alltagsrassismus behandelt werden. Dabei wird es zum einen um den erwähnten Botschaftsbesuch gehen. Parallel soll mit dem Deutschrap-Experten der Frage nachgegangen werden, ob und in welchem Rahmen sich rassistische Stereotype im Alltag der deutschen Hip Hop Kultur wiederfinden lassen.

Referent: Marcus Staiger
Organisiert von: Antira SB

(Bei gutem Wetter findet der Vortrag auf dem Hof statt)